Montag, 21.08.
Morgens beratschlagen wir darüber, ob wir über die Ostsee oder das Haff zurück fahren. Das Wetter ist nicht wirklich gut; starker Regen, heftiger Wind mit ordentlichen Böen. Ich kann Berti gerade noch überreden, heute zumindest den Katzensprung bis Dievenow (Dziwnow) zu machen. Morgen können wir dann immer noch entscheiden, ob der Weg über die Ostsee geht oder wir zurück fahren.
Schön ist das Wetter wirklich nicht. Darüber trösten jedoch unsere Ableger, die sogar farblich nach Backbord und Steuerbord sortiert sind.
Berti als Käpt'n trinkt Pfeffi, ich habe Wassermelonen-Likör.
In Dievenow, einem Städchen, ganz kurz vor der Ostsee, in einer Flußbiegung liegend und nur durch eine Straßenbrücke von der Ostsee getrennt, machen wir fest. Hier kämen wir nur zu bestimmten Zeiten raus auf die Ostsee. Aber das entscheiden wir morgen.
Im Hafen liegen etliche Schlauchboote. Unter anderem ein Sportis 560. Genau mit so einem hatten wir unser Bootsleben begonnen. Toll! Darüber freuen wir uns. Aber klar - Sportis ist ja auch ein polnischer Hersteller!
Nach kräftigen Regengüssen brechen wir dann doch noch in die Stadt auf...
und stellen fest - die Stadt pulsiert. Bei uns wäre das, was hier stattfindet, ein Jahrmarkt oder ähnliches. Hier scheint es das gängige Stadtbild zu sein. Offensichtlich Tourismus pur, überall Buden und Völker ohne Ende auf den Straßen.
An einer Bude holen wir uns eine frittierte Kartoffel. Ehrlich, es war nur eine aber so geschickt zersäbelt und auf einen halben Meter Holzlatte verteilt, dass es nach einem Pfund Kartoffeln aussah. Mit Salz und Gewürzen aller Art darüber eine durchaus leckere Chipsart!
Tapfer kämpfen wir uns über ca. einen Kilometer bis zum Strand durch. Die Idylle belohnt. Wir stellen immer wieder fest - je östlicher, umso schöner die Strände. Nur das Wetter zickt rum!
Öhrchen fliegen im Wind. Die See tobt. So fahren wir da morgen nicht drüber! Dann lieber übers Haff zurück.
Dankbare Blicke von den Hunden für diese Entscheidung ;-)
Die Persenning über der Plicht wird aufgezogen und dann machen wir es uns bei einer heißen Suppe noch gemütlich. Mit polnischen Fernsehsendern können wir leider nichts anfangen, also geht es früh in die Koje.
Der nächste Morgen. Wetter ist nicht besser geworden. Also nicht mal eben fix an der Ostseeküste entlang. Schade.
Aber einen Strandspaziergang soll es für die Wuffis noch geben. Bis zum Strand gilt es allerdings zwei wirklich vielbefahrende Straßen zu überqueren, mehrspurig mit viel Schwerlastverkehr etc. Berti geht los - ich mache derweil das Boot startklar.
Nach einer Weile sehe ich plötzlich Cupper, wie er auf der Mole neben dem Restaurant steht und dann beschließt, zum Boot zu kommen und aufzuentern. Ich sehe mich nach den anderen um und finde sie etwa in 50 Metern Entfernung, auch auf dem Weg zum Boot.
Berti sieht nicht nicht gerade erfreut aus, schmeißt wutschnaubend die Leine in die Plicht und erzählt mir folgende Geschichte:
"So schön haben die am Strand getobt, haben ihre Kreise gezogen, es war so herrlich anzusehen. Und dann... Wassertröpfchen von oben! Cupper im gestreckten Galopp an mir vorbei - zurück zu 'Mama' und unter Deck! Ab über den Strandaufgang und nicht mehr zu sehen. Timsen und ich im Laufschritt hinterher, aber er war weg. Ich hielt nicht für möglich, dass er unversehrt durch den dichten Verkehr kommt. Aus der anfänglichen unglaublichen Wut wurde schnell Angst und Bange um das Überleben des Tieres. Auf halbem Weg kam mir noch eine total traumatisierte Polin mit kleinem Jack Russel auf dem Arm entgegen. Keine Zeit, um mich auch noch 'Erste-Hilfe-mäßig' darum zu kümmern. Sekunden wurden zu Minuten, Minuten zu Stunden, Stunden zu Tagen, usw.
Unterwegs hatten wir keinen Unfall gesehen. Und wer steht dann im Lee der Gaststätte am Bootsanleger? Arschloch, ja - Arschloch Cupper! Er zeigte mir noch eine lange Kralle und ging gemütlich an Bord!"
(Man muss wissen, dass Timsen Bertis Hund ist und Cupper meiner, und das lassen sie auch "raushängen"!)
Den Rest der Geschichte kenne ich ja. Berti hätte ihn in der Luft zerreißen und den Geiern zum Fraß vorwerfen können. Aber ich konnte gerade noch das Leben meines Hundes retten.
Nachdem irgendwann der Bordsegen wieder halbwegs gerade hing, beschlossen wir endgültig, zurück übers Haff zu fahren, anstatt die kürzere Ostseestrecke zu nehmen.
Wir wollen bis nach Kamminke, Deutschlands östlichstem Hafen. Aber selbst die Fahrt übers Haff macht keinen Spaß. Das Verdeck haben wir gleich drauf gelassen. So kann man die Plicht wenigstens trocken mitbenutzen.
Bis nach Wollin geht alles gut. Dann kommt die Drehbrücke. Beim letzten Mal konnten wir vorsichtig darunter herfahren. Durch den heftigen Regen klappt es diesmal nicht. Wir warten.
Tatsächlich fällt der Pegel noch vor der Brückenöffnungszeit soweit, dass wir uns trauen, das Boot von Hand und zu Fuß ganz langsam darunter her zu ziehen. Es sind ca. 2 cm Differenz, als wir es wagen.
Während dieser "Schleusung" deutet ein Pole auf eine rote Möwe und betont unentwegt: "Nature, nature"
Na klar, wer's glaubt... Was hat man der Möwe bloß angetan? Wir sind traurig.
Da entscheiden wir uns extra über die Soft-Variante übers Haff, aber auch hier ist's ungemütlich. Die Wellen sind zwar nicht so hoch wie auf der Ostsee, aber dafür kurz und steil. Cupper überlegt sowieso, was das soll und selbst der tapfere Timsen lässt sein Köpfchen hängen.
Nach der Überfahrt ist Ausruhen angesagt.
Und dann kommt Kamminke. So niedlich :-) Kleiner Fischereihafen mit uraltem Anleger. Der Bürgermeister, gleichzeitig Restaurantbetreiber, Koch und Hafenmeister bekommt 10 € für die Nacht...
... und wir eine Einladung in sein Hafenlokal bei Buffett und Live-Musik für einen fairen Flat-Rate-Eintritt!
Wir werden keinesfalls enttäuscht. Super Buffett, tolle Band und ein verrücktes altes Ehepaar rockt die Tanzfläche. Allein dafür hätte man Eintritt bezahlt, hätte man es vorher gewusst.
Sehr bekömmlich auch die Angebote vom Schnapsi - Taxi nach dem Essen! Danke, Restaurantbetreiber, Koch, Bürgermeister - ist auch egal. Sehr gut!!
Und wüsste man nicht, dass man sich gerade zwischen Polen und Deutschland befindet, würde man aufs Meer schauend tatsächlich denken, man wäre in der Karibik oder wenigstens am Mittelmeer!
Dieses Gefühl kann doch nicht allein das Schnapsi - Taxi verursacht haben? Nein, glauben wir nicht!
Es war eine ruhige Nacht. Die Sonne weckte Timsen und er dann uns auf seine "liebe und zurückhaltene" Art.
Was soll's, schlafen beendet, also brechen wir auf. Erstmal übers Haff.
Wolgast. Kennt Timsi schon, es geht auch sofort weiter.
Wir tanken in Kröslin und wollen noch bis Stralsund.
Ganz neue Häuser in Kröslin, kennen wir noch gar nicht.
Und dann überqueren wir mal wieder Bertis "Lieblings-Greifswalder-Bodden" und er ist wie immer ungemütlich. Muss er denn IMMER Recht haben? Langweilig ;-)
Wir schaffen es aber bis Stralsund. Selbstverständlich. Kentern und ertrinken wäre ja auch uncool und wer will sich schon blamieren?
Nachdem wir wir wieder an unserem Lieblingssteg anlegen konnten, gehen wir mit zwei polnischen Bieren bewaffnet auf die Mole, um uns die Regatta anzusehen, die gerade stattfindet.
Ich jongliere noch zwei Calamaris - Schalen vom Kutter zu unserem Beobachtungsposten, Cupper schläft mitten auf der Mole und Timsen greift noch ein paar Kuscheleinheiten von vorbeigehenden tierlieben Kindern ab. Schöner Abend!
Inzwischen ist Donnerstag, der 24.08.
Da auch die Likedeeler wieder hier liegt, kann ich noch ein Detailfoto machen.
Hier sind wir dann noch mal fix auf der anderen Strelasund-Seite, in Altefähr. Wir müssen die GoPro aus dem Touareg holen. Dort haben wir sie wohl nach dem Besuch in Bernau vergessen.
Tatsächlich - Berti kommt mit der Kamera zurück und wir können ablegen und unseren Kurs nach Ralswiek in Angriff nehmen.
Aber erst einmal wollen wir in Vieregge bleiben für eine Nacht. So ist der Plan. Morgen dann nach Ralswiek, mit den Hunden abends von Bord aus das Feuerwerk genießen, damit sie sich den Tag darauf nicht erschrecken, wenn sie allein an Bord sind und wir uns die Festspiele ansehen.
Da uns das Boot zu weit nach hinten hinaussteht zwischen den Dalben, legen wir es sogar noch einmal um in eine größere Bucht. Wirklich ein niedlicher Hafen. Gerade alles fest, kommt der Anruf unserer Tochter, die mit uns die Festspiele besuchen wollte. Sie kann nur einen Tag eher als geplant.
Toll, also Boot wieder losgemacht und nach Ralswiek weiter. Auf Wiedersehen, Vieregge, vielleicht ein anderes Mal!
Ankunftsbierchen auf dem Steg
Auf ins Getümmel. Erst über die "Fressmeile", dann in ein nettes Gartenlokal. Hier lernen wir die Betreiberin, Frau Bovensiepen, kennen. Eine totale Hundeliebhaberin. Also Getränke zu uns und Würstchen für die Hunde. Sehr lieb von ihr!
Wir bleiben fast die ganze Vorstellung über hier, während Störtebeker sich auf der Freilichtbühne abkämpft.
Kurz vor Ende gehen wir dann aber zum Boot, wir wissen ja, dass es gleich das Feuerwerk gibt. Das wollen wir vom Hafen aus sehen. Und es lohnt sich, eine ganz andere Perspektive, schwimmen doch die feuerwerkenden Koggen genau vor unserer Nase.
Mittendrin erreichen uns dann noch diese WhatsApp-Nachrichten. Gerade sind wir aus Demmin weg, steht alles in Flammen :-(
Hunde sind gut vorbereitet, heute werden die Störtebeker Festspiele angesehen. Wir freuen uns auf Schneckchen und Stephan!
Zunächst lassen wir den ruhigen Tag in Ralswiek so dahinplätschern. Gegen 11 - 12 Uhr kommen die Touristen und auch der Hafen füllt sich.
O-Ton aus Bertis Bordbuch: "Die Menschen laufen über die Stege und glotzen einem die Wurst vom Brot, den Schniedel aus der Hose, bzw. die Pelle von der Wurst usw.. Wie die Mücken, die abends über die armen Menschen herfallen, so sind die Menschen hier."
Egal, natürlich möchten die Leute "Boote gucken", obwohl das Betreten der Stege Unberechtigten verboten ist. Ich kann es zumindest verstehen. Jedenfalls hissen wir schon mal die Santiano-Flagge, als Fans der Shanty-Band, die in wenigen Tagen hier, wie jedes Jahr einmal, auftreten wird.
Nachmittags genießen wir noch einen asiatischen Imbiss und auch bei Frau Bovensiepen kehren wir auf zwei Bier und zwei Würstchen für die Hunde ein.
Abends, mit Schneckchen und Stephan, nehmen wir gespannt unsere Plätze ein.
Die Vorstellung ist wir immer gelungen, obwohl sie in diesem Jahr Störtebekers Tod bedeutet.
Im Anschluss an die Vorstellung dann das übliche Kanonenfeuer und Höhenfeuerwerk.
Bis ca. 01 Uhr nachts sitzen wir dann noch gemeinsam an Bord und schnacken, bevor Tochter und Schwiegersohn in Lauerstellung wieder fahren.
26.08.
Auf nach Schaprode, wir müssen mal tanken.
Vorbei an Breege. Hier liegt ein baugleiches Boot wie die Liekedeeler.
Von hier fährt man quasi im Minutentakt mit Fähre oder Wassertaxi hinüber nach Hiddensee, Vitte.