2015teil3


Unterwegs nehmen wir Kontakt zu unseren Freunden Sandro und Anja aus Bernau auf. Wir wollen uns heute im Messinghafen in Finow treffen. Auf unserer Reise der geeignetste Punkt, um zusammenzufinden. Unterwegs viel verwunschene Landschaft. Sogar einen Eisvogel können wir fotografieren.


Dann erreichen wir den Messinghafen an Backbord. Und wer steht an Steuerbord und winkt? Sandro, auf der anderen Kanalseite. Also verschwindet er wieder, vermutlich zurück zum Auto.
Unter einer alten Eisenbrücke die kleine Einfahrt. An drei Stegen kann man seitlich festmachen. Sonst gibt es hier nichts. Gut, dass wir autark sind.
Oben im Bild ein kleiner Auszug aus Bertis Törnaufzeichnungen ;-)

 
Unsere Freunde finden uns jedenfalls und die Wiedersehensfreude ist groß. Berti und Sandro nutzen die Möglichkeit und fahren mit dem Auto einkaufen, während Anja und ich an Bord Kaffee trinken und plauschen. Die kleine Jori trinkt natürlich noch keinen Kaffee.
Nachdem die drei dann wieder gefahren sind, werfen wir den Grill an, sind ja wieder gut versorgt. Danke Sandro ;-)
 

Am nächsten Morgen, dem 26.08., geht es weiter. Wir tuckern den Finowkanal weiter in Richtung Eberswalde.
Schleuse Heegermühle, Schleuse Wolfswinkel...
Die Schleusenwärter haben hier Zeit, mit den ortsansässigen Enten Freundschaften zu schließen und sie zu füttern. Man kann die Idylle wirklich nicht in Worte fassen!
Enzo und Cupper sind leider weder an der Landschaft, noch an unserer Leistung beim Schleusen interessiert. Der Verdacht liegt nahe, dass sie hauptsächlich rumgammeln.

 
Wir erreichen die Hubbrücke Eberswalde. Hier müssen wir Wartezeit einplanen. Die Brücke wird alle zwei Stunden gehoben. Also erst mal Fellpflege.


Dann hebt sich die Brücke und es geht weiter. Noch zwei Schleusen, die Drahthammer- und die Kupferhammerschleuse. Auch andere Skipper sind in kleineren Booten mit großen Hunden unterwegs.


Nun kommen auch die Anleger von Eberswalde in Sicht. Der erste ist der Anleger Finowkanal Park. Für uns und die Wuffis nicht wirklich passend. Also weiter. Der nächste ist der Wasserwanderrastplatz Eberswalde. Laut Karte mit Wasser, Strom, WC, Dusche und dergleichen. Tatsächlich: Nichts dergleichen! Auf Nachfrage soll man die Toiletten im nahegelegenen Einkaufszentrum nutzen. Schnapsidee!

 
Also noch schnell durch die Stadtschleuse. Der Schleusenwärter kennt das wohl schon. Viele scheinen sich so zu entscheiden. Er gibt uns den Tipp, hinter der Schleuse festzumachen.
Das Plätzchen ist gut und ruhig, natürlich auch ohne Versorgung. Aber wir brauchen ja nichts. Im nahen Einkaufszentrum gibt es einen Chinesen, der uns zwei Portionen leckere Chinanudeln zum Mitnehmen macht. Tolles Abendessen!
Auch die Kanuleute mit dem Schäferhund tauchen noch auf.
 
Am nächsten Tag geht es noch durch die Schleusen Ragöse und Stecher...


.. die Klappbrücke Niederfinow und mit der Durchfahrt der Schleuse Liepe verlassen wir den wunderschönen Finowkanal. Ein Eisvogel begleitet uns die ganze Zeit. Selbst beim Fischfang lässt er sich beobachten.


Auf Wiedersehen, schöner Finowkanal :-/

Nun sind wir wieder auf der "Hauptverkehrsstraße". Hier geht der Oder-Havel-Kanal über in die Oderberger Gewässer. Ein kleines Stückchen fahren wir zurück, um das Schiffshebewerk Niederfinow ganz aus der Nähe zu betrachten.
Es ist 60 m hoch und momentan noch das zweitgrößte der Welt und wurde aus 13800 Tonnen Stahl erbaut. Bis 2025 soll es noch in Betrieb bleiben. Um jedoch den heutigen Anforderungen gerecht zu werden, entsteht zur Zeit das neue Hebewerk. Die Fertigstellung ist für 2019 geplant.


Unser Ziel für heute ist die Marina Oderberg. Unterwegs fragen wir uns, wie dieses Schiff an seinen Liegeplatz gekommen ist. Es gibt keine Zufahrt. Und keine Antwort.


Gegen 16:15 Uhr sind wir da. Der Hafenmeister der Marina Oderberg verdient ein großes Lob. Wirklich kompetent und sehr hilfsbereit!
Seine Familie hat das Gelände vor ein paar Jahren gekauft und grundlegend renoviert. Hier wird man wirklich gut versorgt. Wir benutzen die Waschmaschine, tanken Diesel und Wasser. Wie der Hafenmeister mit Fahrrad und Anhänger die Stege befährt, sowohl ziehender als auch schiebender Weise ist eine Show für sich, muss man gesehen haben. Abends essen wir in der Hafengaststätte. Lecker!


Angrenzend an die Marina gibt es nur Felder. Aber auch eine Allee mit Pflaumenbäumen. Hier muss vor Abfahrt unbedingt noch Proviant gebunkert werden, während die Hunde prima toben können.


Weiter geht's. An der Schleuse Hohensaaten müssen wir uns entscheiden. Entweder durch die Westschleuse in die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße oder durch die Ostschleuse in die Oder. Die Elbe hat uns gelehrt wie es sich ohne Wasser unter dem Boot fährt. Wir vertrauen nicht darauf, dass die Oder es besser kann und entscheiden uns für die Westschleuse.

 
Wir fahren auch nur zwei Stunden. Dann liegt an Backbord der Mini-Hafen Stolzenhagen. Hier bleiben wir. Die Gegend lädt zu ausgiebigen Spaziergängen ein.

Die Bezeichnung Sportbootshafen wundert uns allerdings sehr. Hatten wir so noch nicht gehört.


Morgens wird erstmal ausgiebig vom Boot aus gebadet. Dann legen wir ab. Der HFW weiter folgend, passieren wir irgendwann Schwedt. Zur Linken bestaunen wir die Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Im kleinen Sportboothafen PCK machen wir nur kurz fest, um ein bisschen Proviant zu besorgen. Anschließend geht es weiter.


Vorbei an den LEIPA Papierwerken


Auch einen Abstecher in den Industriehafen machen wir noch, aber nur um zu gucken. Ein Stück hinter Gatow mündet die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße dann in die Westoder. Jetzt fahren wir genau auf der Grenze, Deutschland an Backbord - Polen an Steuerbord. Auch an dem niedlichen Örtchen Gartz kommen wir noch vorbei.

 
Durch Polen wollen wir durchfahren, also nutzen wir die letzte Möglichkeit und entern einen kleinen Anleger in Mescherin. Schön hier. Abends kommt noch ein Hafenmeister und kassiert 6 €.


Noch sind wir nicht ganz in Polen, aber hier spricht schon jeder zweite polnisch. Unsere Aussicht vom Anleger ist genial. Abends kommt noch ein kleines Boot von Polen herüber, mit zwei schicken Pärchen, und macht neben uns fest. Vermutlich Leute, die in Mescherin essen gehen wollen. Spät abends im Nebel fahren sie zurück. Die ersten Kraniche ziehen in Richtung Süden.
 
Den Aussichtsturm sehen wir erst am nächsten Tag. Am 25.07.2014 freigegeben, heißt er "Fliegender Kranich" und soll die Radwanderer auf dem Oder-Neiße-Radweg dazu bewegen, durch diese hinreißende Gegend nicht nur durchzufahren, sondern auch zu verweilen. 


Zunächst streifen wir urtümliche Landschaften, dörfliche Idylle und stellen fest, dass die Polen das Leben einfach genießen. Alle nutzen den Luxus, am Wasser zu leben. Chillen, Angeln, was auch immer - sie tun es. Wenn wir Deutschen nur so entspannt wären!


Und dann Stettin... Da wir nur durchfahren, hier nur ein paar Eindrücke; zunächst werden die Bauwerke größer...


... dann die ganze Stadt...


Die Brückendurchfahrten sind wunderschön bemahlt.


Stettin ist geschafft. Bei der Ausfahrt in das Stettiner Haff, welches in das Große Haff und das Kleine Haff unterteilt ist, kommen uns noch riesige Frachter entgegen, die nach Stettin einlaufen. An den Ufern herrscht bereits wieder dörfliche und freizeitbetonte Idylle.


Zunächst fahren wir bei Traumwetter durch das Große Haff, welches noch zu Polen gehört. Die polnischen Seezeichen haben es mir angetan. Und die vielen Kormorane, die auf ihnen und auf kahlgefressenen Bäumen sitzen. Einfach schön anzusehen.


Die Brama Torowa 4, 3 und 2 hatten wir bis kurz vor 15:00 Uhr hinter uns gelassen. Dann kam wenig später der Übergang zum Kleinen Haff und damit auch die Rückkehr nach Deutschland.


Dann biegen wir etwa mittig auf dem Kleinen Haff nach backbord ab, um in Ückermünde einen Platz für die Nacht zu finden. Aber leider ist hier kein geeigneter Anleger zu finden.


Also laufen wir direkt wieder aus, um den nächsten Hafen noch zu erreichen. Mönkebude.
Gegen 17:30 Uhr sind wir da und haben riesiges Glück. Wieder nur Anleger zwischen Dalben. Aber wir dürfen seitlich an der Pier anlegen.


Mönkebude ist definitiv ein sehr schön gestalteter Hafen.


Es ist mittlerweile der 30.08. und Berti plant, um Mitternacht mit mir auf meinen Geburtstag anzustoßen. Dass erfahre ich allerdings erst am Morgen des 31.08., denn Mitternacht haben wir nicht mehr erlebt. Wir waren einfach zu müde.
 
So wird das Champustrinken dann also auf den Geburtstagsabend verschoben. Nachdem wir in Mönkebude nochmal getankt haben, legen wir ab. Heute wollen wir die Peene - den Amazonas des Nordens - befahren.
Über dem Kleinen Haff ziehen ohne Ende Kraniche gen Süden.


Vorbei an der zerstörten Eisenbahnbrücke von Karnin...

 
Bis kurz vor die Zecheriner Klappbrücke. Diese führt in den Peenestrom. Wir aber biegen vorher ab, um die Peene zu befahren.

 
Biber und Reiher, Knabenkraut und Orchideen: Im Naturpark Flusslandschaft Peenetal sollen Besucher hunderte seltener Tiere und Pflanzen entdecken können - am besten vom Boot aus. Die Voraussetzungen sind also geschaffen!
Auf den ersten Metern ist das Wasser der Peene grün - die Algenblüte ist in vollem Gange. Aber das gibt sich nach kurzer Zeit und wir finden ein sehr süßes Flüsschen vor. Auffallend viele Möwen sind auf der Jagd. Sie fressen kleine Fische als hätte man sie ihnen gerade hingeworfen. Später werden wir wissen, warum.

 
Hansestadt Anklam. Unmittelbar vor der Eisenbahnbrücke rechts und links kleine Häfen bzw. Anleger.

 
Die Brücke hat eine Durchfahrhöhe von 2,40 m. Wir haben mächtig Respekt. Das ist auch fast die Höhe des Bootes bei umgeklappter Antenne. Sollen wir auf die Öffnung warten?
Wir versuchen es. Ich stehe hinten auf dem Motorraum und habe die Aufgabe, sofort Alarm zu geben, wenn es nicht passt. Dann geht es so langsam wie möglich zur Brücke, um notfalls sofort volle Fahrt zurück zu machen. Es sind ein paar Zentimeter Distanz - aber es passt. Auf der anderen Seite steht inzwischen der Brückenwärter, der das Schauspiel beobachtet hat und hebt anerkennend den Daumen.


Wir fahren noch bis zum Wasserwanderrastplatz Anklam. Er ist wie gemacht für uns mit seinen Schwimmstegen. Auch die ganze Anlage ist sehr schön. Hinter den Booten sind auf einer Wiese verschiedene Sitz- und Grillmöglichkeiten.

 
Schon auf der kurzen Stadtdurchfahrt waren uns einige tote Fische aufgefallen, was wir zunächst auf die große Hitze und möglichen Sauerstoffmangel geschoben hatten. Doch während wir festmachen, sehen wir dass es immer schlimmer wird.
Unendlich viele Fische, kleine und große, stecken ihre Köpfchen aus dem Wasser und schnappen nach Luft. Immer mehr Fische drehen sich auf den Rücken und sterben. Es ist so schlimm anzusehen.

 
Überaus scheue Fische schwimmen an der Oberfläche, die man sonst niemals zu Gesicht bekommen würde, wie diese Hechte. Wir wollen helfen, sind aber so machtlos. Was passiert hier? Überall treiben schon tote Fische. Die schrecklichen Bilder erspare ich mir. Völlig schockiert können wir nur zuschauen. Als der Hafenmeister kommt, fragen wir ihn, ob er den Grund kennt. Er erzählt uns, dass es heute morgen angefangen hat und man inzwischen vermutet, dass von der Zuckerfabrik vor Anklam giftige Stoffe eingeleitet wurden.
Die armen Tiere. Irgenwann kann ich nicht mehr und muss bitterlich weinen. Berti versucht mich zu trösten, aber es ist nicht zu ändern. Solange ich das ansehen muss, kann es mir nicht wieder besser gehen. Toller Geburtstag :-(
 
 
Abends sieht man dann noch mal, wie schön es hier eigentlich wäre, wenn man dem großen Sterben nicht zusehen müsste.

 
Am nächsten Morgen sterben die Fische noch immer, obwohl die Uferbereiche und die ganze Slipanlage schon übersäht sind mit toten Fischen. Wir haben jedenfalls keine Lust mehr die Peene weiterzufahren. Bloß weg hier!
Wir legen ab und machen uns auf den Rückweg in Richtung Peenestrom.
 
In der Zeitung steht dann auch der Artikel zu der Katastrophe.


Später stellt sich heraus, dass sage und schreibe 1 Millionen Liter Bioethanol eingeleitet wurden, NATÜRLICH nicht absichtlich. Man mutmaßt, dass es mindestens 10 Jahre dauert, bis dieser Naturpark sich davon erholen kann. Gibt es Schlimmeres für die Natur als den Menschen???
 
 
Rückblick in Richtung Peene. Ein stattlicher Seeadler hatte uns begleitet. Und ich war noch nie so froh, KEINE Fische zu sehen.


Vorbei an der Peene - Werft und durch die Wolgaster Hubbrücke geht es Richtung Kröslin. Jeder einzelne Poller unter der Brücke scheint dauerhaft vermietet zu sein. Da wir uns hier auskennen, legen wir jedoch vorher noch an Backbord vor der Brücke kurz an, um mit dem Bordfahrrad fix zum nahegelegenen Netto zu fahren. Ein bisschen Proviant bunkern.


An der Marina Karlshagen fahren wir vorbei. Sie macht einen sehr guten Eindruck. Aber Kröslin kennen wir eben und da wollen wir hin.

 
Gegen 15:45 Uhr sind wir dann in Kröslin. Zum ersten Mal bauen wir einseitig beide Seitenteile der Persenning an, weil es ordentlich windig ist. Alles passt sehr gut, obwohl selbstgenäht :-) In der Plicht sind wir nun auch völlig geschützt, toll. Dennoch merkt man, wie sich der Sommer verabschiedet und der Herbst kommt.

 
Der nächste Morgen. Diese kleine Boot war uns schon bei unserem letzten Besuch der Marina Kröslin aufgefallen. Niedlicher geht es wirklich nicht.
Dann schiebt sich auf einmal die "Börde" BP 64 in den Hafen und dreht im Steg E Bereich zur Schau für alle Urlauber vor deren Wasserhäusern. Anschließend macht das Boot zwischen den Stegen C und D an der Pier fest. Es ergibt sich ein Gespräch; die Kollegen sind interessiert an unserem Boot und so geben wir uns gegenseitige Führungen mit Erklärungen zur jeweiligen Ausstattung und Technik. Tolle Erfahrung!


Gegen 11:20 Uhr legen wir ab. Wir wollen nach Stralsund, also über den Greifswalder Bodden. Vorher fahren wir aber noch kurz gegenüber in Peenemünde das U-Boot Juliett U-461 angucken.

 
Während unserer kleinen Hafenrundfahrt stellen wir fest, dass es hier wohl noch wesentlich mehr zu sehen gibt. Aber das muss warten. Ein andernmal.


Jetzt geht es erstmal über den Greifswalder Bodden. Dieses große Schiff liegt doch schief im Wasser, oder? Was ist da los? Wenig später hören wir auch den Funkspruch: "... es hat uns ca. 5 Meter nach Backbord versetzt, wir liegen auf Grund..." Ja ja, die Fahrrinne sollte man hier noch nicht verlassen.


Berti mag den Greifswalder Bodden nicht, wegen der kurzen steilen Wellen. Er hat schon beim Ablegen keine Lust auf die Überfahrt. Und er soll Recht behalten!
Wie immer, das Boot hat keine Probleme, aber für Mensch und Tier nicht wirklich schön. Wir fahren gegen eine 2-Meter-Welle, kurz und steil.
Enzo guckt recht sparsam und Cupper wird schlecht.


Und so ist die Sicht aus der Kajüte und vom Steuerstand aus nach vorn. Nicht, weil es regnet. Das ist aufgrund der steilen Welle überkommende Gischt! Windstärke 5 - 6 Beaufort.
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